Met aus Honig gesotten – die Stadt Eger in Münsters Cosmographia
Sebastian Münster (1488–1552)
Holzschnitt und Buchdruck (Fraktur), teilkoloriert; Blatt beidseitig bedruckt · Blatt 14,9 × 23,0 cm (Querformat) – davon 12,2 cm bedrucktes Originalblatt und 2,7 cm angesetzter alter Streifen
Ein Blatt aus Sebastian Münsters Cosmographia, Fünftes Buch „Von Teutsch Landt“, Seiten 1319 und 1320. Beide Seiten beschreiben dieselbe Stadt: Eger, das heutige Cheb in Böhmen.
DER HOLZSCHNITT ZEIGT DAS MET-SIEDEN. Ein Mann rührt in einem Kessel über offenem Feuer, daneben stehen die Bottiche. Der Text sagt, warum gerade hier: Eger sei „mit Meth, ein Getranck auß Honig gesotten, durch Teutschlandt beruffen“ — dieses Getränk werde „an keinem ort köstlicher vnd lieblicher zu trincken gemacht“. Eine frühe bildliche Darstellung der Met-Herstellung, mitten in einer Städtebeschreibung.
Was der Text sonst über Eger erzählt: Die Stadt hat ihre eigene Münze — „vier Egerischer Heller machen ein Nürnberger Pfennig“. Vor dem Tor liegt die Vorstadt der Lederer, deren Arbeit „durch Teutschlandt geführt, vast gelobt vnd gepriesen wirdt“. Und auf der Burg stehen „zwo schöner Kirchen vbereinander gebauwen“, ihre Pfeiler aus Marmelstein, jeder aus einem einzigen Stück gehauen — das ist die romanische Doppelkapelle der Kaiserpfalz Eger, die bis heute steht. Daneben „ein hoher, vester vnnd kohlschwartzer Thurn“: der Schwarze Turm, gebaut aus dunklem Basalt.
WAS BEIM AUSRAHMEN ZUM VORSCHEIN KAM. Solange das Blatt hinter Glas lag, sah der untere Abschluss wie ein umgelegter Rand aus. Ausgerahmt und flach gescannt zeigt sich etwas anderes: Das Blatt ist unten beschnitten, und ein 2,7 cm hoher Streifen aus altem Papier wurde über die volle Breite angesetzt. Mit ihm misst das Blatt 14,9 × 23,0 cm.
Dass unten Text fehlt, lässt sich am Blatt selbst zeigen, ohne Vergleichsexemplar. Die Rückseite beginnt mitten im Wort: „halb auch der Sewrling genannt“ — die erste Hälfte dieses Wortes stand am Fuß der Vorderseite, und dort ist sie nicht mehr. Holzschnitt und Eger-Beschreibung sind davon nicht berührt; sie stehen im oberen Teil und sind unversehrt.
AUF DEM STREIFEN STEHT EINE ALTE BESCHRIFTUNG. Mit Bleistift, in einer Hand: „Bier / Meth“, darunter „Münster 1550“, und am rechten Rand ein drittes Zeichen, das sich als Zahl (340) oder als Kürzel lesen lässt — die Striche selbst geben es nicht eindeutig her. Gemessen haben alle drei denselben Strich, 0,17 mm, und dieselbe Schwärze: ein Bleistift, ein Arbeitsgang. Das liest sich wie der Eintrag einer Sammlung, die nach Sachgruppen geordnet war — Gegenstand, Quelle, Nummer. Wer immer das schrieb, hat das Blatt unter Bier und Met einsortiert; die Jahreszahl 1550 trifft allerdings nicht zu, sie ist die Einschätzung des Vorbesitzers und nicht unsere.
In der oberen rechten Ecke des Blattes steht dazu passend eine zweite, stark beriebene Bleistiftnotiz, die auf einen Gedankenstrich ausläuft — die Form einer Preisangabe. Das Blatt war also im Handel: Preis in der einen Ecke, Nummer in der anderen. Beide Marken gehören zur Geschichte des Blattes und bleiben, wo sie sind.
DER RAHMEN. Es lag in einem Rahmen, der beide Seiten sichtbar ließ — bei einem beidseitig bedruckten Blatt die einzige ehrliche Lösung; die meisten gerahmten Buchblätter zeigen eine Seite und verschweigen die andere. Für die Aufnahme wurde es ausgerahmt und beidseitig mit 600 dpi gescannt, maßhaltig und ohne Spiegelung.
ZUR AUSGABE. Der Kolumnentitel „Das Fünffte Buch“ gehört zur Sechs-Bücher-Gliederung, in der Deutschland das fünfte Buch ist; ab 1614 wurde die Cosmographey auf acht Bücher umgestellt, 1628 auf neun. Die deutsche Ausgabe von 1574 zählt noch in römischen Ziffern und endet bei Seite MCXC — unser Blatt zählt arabisch und trägt 1319/1320. Damit liegt die Ausgabe zwischen 1578 und 1598. Welche der vier es genau ist, hätte die Bogensignatur am Fuß der Seite verraten; sie ist mit dem beschnittenen Rand verloren. Bleibt der Satzvergleich mit einem vollständigen Exemplar — der steht noch aus, und wir schreiben nichts hin, was wir nicht geprüft haben. Sebastian Münster selbst starb 1552; die Cosmographia wurde in Basel bis 1628 weitergeführt.
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