KODEX · ANTIQUARISCHES BUCH
Peinture ancienne grecque
T.-L. Fraser über die Fayum-Porträts der Sammlung Theodor Graf — ein Buch, das sich irrt, und genau damit Geschichte erzählt
Buch · Paris: Librairie E. Lecampion · 1901 · nur 500 gedruckte Exemplare (auf dem Titel vermerkt) · Heliogravüre-Tafeln · Französisch
DAS BUCH
Ein schmaler Pariser Privatdruck von 1901: Auszüge aus Rollins ‚Histoire ancienne‘ über die Malerei der Griechen — Apelles, Nikias, Protogenes —, begleitet von Heliogravüre-Tafeln nach Fayum-Mumienporträts aus der Sammlung des Wiener Händlers Theodor Graf. Jede Tafel trägt den gedruckten Vermerk ‚De la collection de Monsieur Théodore Graf, Vienne. Avec sa permission.‘ Dazu kommen eine Marmorbüste, eine Münze und beide Seiten eines beschrifteten Holztäfelchens. Auf dem Titelblatt steht: ‚500 exemplaires seulement ont été imprimés‘ — mehr wurden nie hergestellt.
DIE GESCHICHTE: EIN IRRTUM, AKTENKUNDIG
Fraser wollte beweisen, dass das Mumienporträt Nr. 28 den letzten Makedonenkönig Perseus zeigt. Sein Beleg: ein im Fajum zusammen mit dem Porträt gefundenes Holztäfelchen, dessen griechische Inschrift die ‚Bestattung des Perseus‘ nennt. Die Kette trägt nicht — der König starb 166 v. Chr. in Italien, die Inschrift datiert Fraser selbst rund 250 Jahre später, die Fayum-Porträts sind römerzeitlich, und Perseus war ein geläufiger griechischer Personenname. Ein Museumsfachmann hielt ihm all das damals schon entgegen; Fraser druckte den Einwand ab — und wies ihn zurück. Genau darum ist das Buch heute interessant: ein datierter, gedruckter, Seite für Seite nachprüfbarer Irrtum aus dem Moment, als Europa diese Bilder gerade erst kennenlernte.
Tafel Nr. 28 — das Porträt, das Fraser für König Perseus hielt
Beide Seiten des Holztäfelchens: die Inschrift nennt die ‚Bestattung des Perseus‘ — rückseitig ein Theta
DIE ZEUGEN: MENZEL, MEISSONIER, LENBACH …
Im Vorwort zitiert Fraser die Urteile der berühmtesten Maler seiner Zeit über die Graf-Porträts. Adolph Menzel über Nr. 2: ‚Heute können wir es ebenso gut machen — aber nicht besser.‘ Ernest Meissonier rühmte Nr. 63 vor der Académie des Beaux-Arts: eine bessere Malerei für Ausdruck und Reiz des Originals kenne er nicht. Franz von Lenbach fühlte sich bei Nr. 21 an die Manier Masaccios erinnert und sprach von einem großen Ereignis und einer Quelle der Inspiration. Pierre Puvis de Chavannes fragte vor Nr. 12: ‚Ist das ein Traum oder Wirklichkeit?‘ Ludwig Passini taufte einen Mädchenkopf zärtlich ‚Schnoserl‘. So stehen die größten Namen der Epoche als beiläufige Zeugen in einem Buch, dessen These nicht hält — und ihre Urteile über die Malerei gelten bis heute.
Tafel Nr. 2 — Menzels Urteil: ‚… ebenso gut, aber nicht besser.‘
Tafel Nr. 21 — Lenbach dachte an Masaccio
EINORDNUNG: DIE SAMMLUNG GRAF
Theodor Graf (1840–1903) brachte die Mumienporträts ab 1887 aus dem Fajum nach Europa und machte sie mit Wanderausstellungen und klingenden Zuschreibungen berühmt, ehe die Forschung sie nüchtern als römerzeitliche Bildnisse von Bewohnern der Provinz einordnete. Frasers Privatdruck ist ein später Ausläufer dieser ersten, fiebrigen Rezeption — und als solcher ein Sammlerstück: nicht trotz seines Irrtums, sondern seinetwegen.
ZUSTAND
Papier altersbedingt gebräunt und stockfleckig, die Bindung fest; das rosafarbene Errata-Blatt ist erhalten. Eine vollständige Kollation (Seiten- und Tafelbestand) nehmen wir derzeit vor — den genauen Befund teilen wir auf Anfrage mit.
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Kreislauf statt Neuproduktion: Weiterverkauf ohne neue Herstellung. Ehrlich: Verpackung & Versand ca. 0,4 kg CO2e — beim Kauf im Laden Helmstedt entfällt auch das.