KODEX #254 · WEIHWASSERBECKEN
Wandweihwasserbecken mit Putto und appliziertem Blumenbukett
Italienische Majolika/Steingut, freihändig in Aufglasur bemalt — dekoratives Devotionalienstück, um 1920
Heller Fayence-/Steingutscherben, weisslich-cremige Glasur, Aufglasurmalerei, vollplastisch aufgelegter Putto und einzeln modellierte Aufsatzblüten · Maße am Original aufzunehmen
Stil · Historismus · 1850–1900
Das 19. Jahrhundert plündert die Stilgeschichte: Neorenaissance, Neobarock, Neorokoko – alte Pracht wird prunkvoll neu aufgelegt.
DAS OBJEKT
Wandweihwasserbecken in geschweifter, kartuschenförmiger Plattenform mit nach unten auslaufendem Becken-Ansatz zur Aufnahme des Weihwassers. Die obere Hälfte trägt einen vollplastisch aufgelegten Putto-Oberkörper, der ein appliziertes Blumenbukett präsentiert. Der Scherben ist ein heller, eher weicher Fayence-/Steingutkörper unter weisslich-cremiger Glasur. Becken und Putto bilden eine kompakte, zur Wandhängung bestimmte Einheit. Die Maße sind am Original aufzunehmen.
DATIERUNG & STIL
Die Arbeit ist um 1920 anzusetzen und steht in der Tradition italienischer Devotionalien-Majolika, wie sie über Jahrhunderte in Zentren wie Deruta, Castelli und Caltagirone gepflegt wurde. Stilistisch knüpft sie an Neorokoko und Historismus an: bewegte Kartuschenform, Putto und Blütenzier zitieren das ornamentale Vokabular des 18. Jahrhunderts. Der derbe, freihändige Malduktus — blaue Strichgruppen, gelb-goldene Konturen, manganbraune Randakzente — verweist auf serielle Werkstattware, nicht auf eine Manufaktur-Spitzenarbeit.
DEKOR & IKONOGRAFIE
Die Aufglasurmalerei ist freihändig ausgeführt; das Gesicht des Putto ist naiv, aber kräftig gefasst (rote Lippen, schwarze Pupillen, braune Haarsträhnen). Der Putto als Träger sakraler Anmut gehört zum festen Bildrepertoire italienischer Weihbecken, deren Frontkartuschen traditionell Engels- oder Putto-Köpfe zeigen. Die Blüten sind einzeln modelliert und aufgesetzt — die sogenannte Schneeball- bzw. Capodimonte-nahe Aufsatztechnik mit gelben Blütenzentren und grünen Blättern. Glasurkrakelee und unregelmäßige Pinselspuren unterstreichen den handwerklich-volkstümlichen Charakter.
EINORDNUNG & HERKUNFT
Es handelt sich um ein dekoratives Devotionalienstück des 20. Jahrhunderts aus italienischer Werkstattproduktion — eine Typuszuordnung, keine gesicherte Manufaktur-Marke; ein Werkstattstempel ist nicht überliefert. Wertbeeinflussend sind die typischen Bruch- und Randabplatzungen an den fragilen Applik-Blüten, wie sie diese Technik regelmäßig aufweist. Der Reiz liegt im plastischen Aufbau, der lebendigen Handmalerei und der intakten Gesamtwirkung als religiöses Wandobjekt. Erhaltung gebraucht, dem Alter und der Machart entsprechend.
Provenienz & Zustand
Lagerfund, abendländischer Kulturkreis. Italienische Majolika/Steingut-Werkstattarbeit, um 1920. Keine Werkstattmarke überliefert; die Einordnung erfolgt typologisch nach Form, Technik und Dekor. Maße am Original aufzunehmen.
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