KODEX #254 · PAAR WANDKONSOLEN
Paar Wandkonsolen mit Putten und appliziertem Blumenbukett
Italienische Majolika/Steingut, freihändig in Aufglasur bemalt — zwei Gegenstücke zur Wandhängung, um 1920
Heller Fayence-/Steingutscherben, weisslich-cremige Glasur, Aufglasurmalerei, vollplastisch aufgelegte Putten und einzeln modellierte Aufsatzblüten · Maße am Original aufzunehmen
Stil · Historismus · 1850–1900
Das 19. Jahrhundert plündert die Stilgeschichte: Neorenaissance, Neobarock, Neorokoko – alte Pracht wird prunkvoll neu aufgelegt.
DAS OBJEKT
Zwei Wandkonsolen in geschweifter, kartuschenförmiger Plattenform, als spiegelbildliche Gegenstücke gearbeitet. Die obere Hälfte trägt jeweils einen vollplastisch aufgelegten Putto-Oberkörper, der ein appliziertes Blumenbukett präsentiert; der eine Putto mit Haube, der andere mit offenem Lockenhaar. Der Scherben ist ein heller, eher weicher Fayence-/Steingutkörper unter weisslich-cremiger Glasur. Beide Stücke sind zur Wandhängung bestimmt und bilden ein Paar. Die Maße sind am Original aufzunehmen. — Am Objekt geprüft 08.10.2026: zunächst als Weihwasserbecken aufgenommen; die Form ist jedoch geschlossen, es handelt sich um zwei dekorative Wandstücke.
DATIERUNG & STIL
Die Arbeiten sind um 1920 anzusetzen und stehen in der Tradition italienischer Dekorations-Majolika, wie sie über Jahrhunderte in Zentren wie Deruta, Castelli und Caltagirone gepflegt wurde. Stilistisch knüpfen sie an Neorokoko und Historismus an: bewegte Kartuschenform, Putto und Blütenzier zitieren das ornamentale Vokabular des 18. Jahrhunderts. Der derbe, freihändige Malduktus — blaue Strichgruppen, gelb-goldene Konturen, manganbraune Randakzente — verweist auf serielle Werkstattware, nicht auf eine Manufaktur-Spitzenarbeit.
DEKOR & IKONOGRAFIE
Die Aufglasurmalerei ist freihändig ausgeführt; die Gesichter der Putten sind naiv, aber kräftig gefasst (rote Lippen, schwarze Pupillen, braune Haarsträhnen). Der Putto als Träger ornamentaler Anmut gehört zum festen Bildrepertoire italienischer Kartuschenware. Die Blüten sind einzeln modelliert und aufgesetzt — die sogenannte Schneeball- bzw. Capodimonte-nahe Aufsatztechnik mit gelben Blütenzentren und grünen Blättern. Glasurkrakelee und unregelmäßige Pinselspuren unterstreichen den handwerklich-volkstümlichen Charakter.
EINORDNUNG & HERKUNFT
Es handelt sich um ein Paar dekorativer Wandstücke des 20. Jahrhunderts aus italienischer Werkstattproduktion — eine Typuszuordnung, keine gesicherte Manufaktur-Marke; ein Werkstattstempel ist nicht überliefert. Wertbeeinflussend sind die typischen Bruch- und Randabplatzungen an den fragilen Applik-Blüten, wie sie diese Technik regelmäßig aufweist. Der Reiz liegt im plastischen Aufbau, der lebendigen Handmalerei und der Wirkung als zusammengehöriges Paar. Erhaltung gebraucht, dem Alter und der Machart entsprechend. Preis gilt für beide Stücke.
Provenienz & Zustand
Lagerfund, abendländischer Kulturkreis. Italienische Majolika/Steingut-Werkstattarbeit, um 1920, zwei Gegenstücke. Keine Werkstattmarke überliefert; die Einordnung erfolgt typologisch nach Form, Technik und Dekor. Maße am Original aufzunehmen.
90 €
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