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Stilkunde
Kunst verstehen — ein Satz pro Epoche
Kunst verstehen in einem Satz — ein kurzer Streifzug durch die Stile, von der Antike bis heute. Damit Sie beim nächsten Bild im Fenster wissen, was Sie sehen.
Die Stile im Überblick (41)
Bronzezeit
2200 v.Chr.–800 v.Chr.
Die erste Metall-Epoche: Werkzeuge, Waffen und Schmuck aus Bronze – lange vor Griechen und Römern, mit klaren geometrischen Formen.
Antike
800 v.Chr.–500
Das Fundament der abendlaendischen Kunst — ideale Proportion, Tempel und Goetterstatuen aus Marmor und Bronze.
Fruehchristliche Kunst
200–500
Die erste christliche Bildsprache — Symbole und Katakombenmalerei statt antiker Goetter.
Voelkerwanderungszeit
400–800
Germanische Goldschmiedekunst der Wanderzeit — Tierornament und Flechtband statt Menschenfiguren.
Byzantinische Kunst
500–1450
Goldgrund und strenge Heiligenbilder des oestlichen Christentums — Ikonen, Mosaike, Hierarchie.
Karolingische Kunst
780–900
Karls des Grossen Wiederbelebung der Antike im Norden — die erste mittelalterliche Renaissance.
Ottonische Kunst
950–1050
Die Reichskunst der Ottonen — monumentale Bronzen und ausdrucksstarke Buchmalerei rund um Magdeburg, Hildesheim und Quedlinburg.
Romanik
1000–1250
Die erste gemeinsame Kunstsprache des christlichen Abendlands — wuchtige, runde Steinkirchen wie Gottesburgen.
Gotik
1140–1500
Stein wird Licht: himmelhohe Kathedralen mit Spitzboegen und leuchtenden Glasfenstern.
Renaissance
1400–1520
Die Wiedergeburt der Antike — Mass, Harmonie und Perspektive; der Mensch rueckt ins Zentrum.
Manierismus
1520–1600
Der elegante Regelbruch nach der Hochrenaissance — gelaengte Figuren, kuenstliche Posen, raffinierte Unruhe.
Barock
1600–1770
Maximale Wucht und Bewegung — Kunst als Gefuehlstheater, das ueberwaeltigen will (Gegenreformation, Absolutismus).
Rokoko
1720–1780
Der heitere, verspielte Spaetbarock — zart, asymmetrisch, pastellfarben; Eleganz statt Pathos.
Klassizismus
1770–1830
Rueckkehr zur strengen Klarheit der Antike — Vernunft, Linie und edle Einfachheit gegen das Rokoko.
Romantik
1790–1850
Gefuehl, Sehnsucht und Natur statt kuehler Vernunft — das Unendliche, Naechtliche, Mittelalterliche.
Empire
1800–1830
Napoleons Repraesentationsstil — strenger, prunkvoller Spaet-Klassizismus mit roemisch-aegyptischen Machtsymbolen (v.a. Moebel & Raum).
Biedermeier
1815–1848
Das buergerlich-gemuetliche Pendant zur Romantik — schlichte Eleganz, heile Haeuslichkeit, praezise Detailtreue (v.a. Moebel & Genrebild).
Realismus
1840–1880
Die Welt, wie sie wirklich ist — Bauern, Arbeiter, Alltag ohne Idealisierung.
Historismus
1850–1900
Das 19. Jahrhundert plündert die Stilgeschichte: Neorenaissance, Neobarock, Neorokoko – alte Pracht wird prunkvoll neu aufgelegt.
Impressionismus
1860–1890
Der fluechtige Augenblick im Licht — lockere Farbtupfer, im Freien gemalt, Stimmung statt Detail.
Naturalismus
1870–1900
Die schonungslose Steigerung des Realismus — die Wirklichkeit ungefiltert, auch das Haessliche und Soziale.
Postimpressionismus
1885–1905
Was nach dem Impressionismus kam — Struktur, Symbol und Ausdruck statt blossem Lichteindruck.
Symbolismus
1885–1910
Traum, Mythos und Seele statt Wirklichkeit — Bilder als raetselhafte Sinnbilder.
Jugendstil
1890–1910
Die geschwungene Lebenslinie — florale Ornamentik, die Kunst und Alltag (Moebel, Glas, Plakat) verschoenert.
Naive Kunst
1890–2020
Die Kunst der autodidaktischen Laien — kindlich-direkt, ohne akademische Regeln, oft farbintensiv.
Klassische Moderne
1900–1960
Sammelbegriff fuer die Aufbruchsbewegungen des 20. Jh. — von Expressionismus bis Abstraktion, die Loesung vom Abbild.
Expressionismus
1905–1925
Das innere Gefuehl bricht heraus — grelle Farben, kantige Formen, Verzerrung als Ausdruck.
Kubismus
1907–1925
Die Welt zersplittert in geometrische Facetten — der Gegenstand zugleich aus mehreren Blickwinkeln.
Futurismus
1909–1918
Der Rausch von Tempo, Maschine und Grossstadt — Bewegung und Geschwindigkeit in Bilder gepresst.
Abstrakte Kunst
1910–2000
Kunst ohne Gegenstand — Farbe, Form und Linie sprechen fuer sich.
Konstruktivismus
1915–1930
Kunst als Konstruktion — strenge Geometrie im Dienst von Technik und neuer Gesellschaft.
Dada
1916–1924
Die Anti-Kunst des Protests — Collage, Zufall und Provokation gegen Krieg und Buergertum.
Bauhaus
1919–1933
Form folgt Funktion — die Schule, die Kunst, Handwerk und Industrie zu klarem modernem Design vereinte.
Neue Sachlichkeit
1920–1933
Nuechterner Blick nach dem Expressionismus — kuehl, praezise, gesellschaftskritisch.
Surrealismus
1924–1950
Die Logik des Traums — unmoegliche, unheimliche Bildwelten aus dem Unbewussten.
Konkrete Kunst
1930–1970
Streng geometrische Kunst aus reinen Formen und Farben — ohne jeden Bezug zur Natur, nur sich selbst.
Informel / Abstrakter Expressionismus
1945–1960
Gestische, gegenstandslose Malerei aus der Bewegung heraus — der Akt des Malens selbst wird zum Bild.
Pop Art
1956–1970
Kunst aus Konsum und Comic — Werbung, Stars und Alltagsware werden zum Bildthema.
Op Art
1960–1975
Augentaeuschung als Kunst — geometrische Muster, die zu flimmern und sich zu bewegen scheinen.
Minimalismus
1960–1975
Radikale Reduktion — einfache Grundformen, industrielle Materialien, nichts Ueberfluessiges.
Zeitgenoessische Kunst
1960–2026
Die Kunst der Gegenwart — Konzept, Installation, Medien; oft zaehlt die Idee mehr als das Objekt.