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Stiller See im Morgendunst
BERLINER / MÄRKISCHE SEENMALEREI UM 1900

Stiller See im Morgendunst

Märkisches Seestück, vorne signiert und datiert 1903 — Bildträger mit Berliner Künstlermaterial-Stempel
Öl auf Leinwand (auf Keilrahmen) · datiert 1903 · signiert u. l. rot „H. Zimmermann 1903“ · Maße am Original aufzunehmen · derzeit ungerahmt
Stil · Impressionismus · 1860–1890
Der fluechtige Augenblick im Licht — lockere Farbtupfer, im Freien gemalt, Stimmung statt Detail.

DAS WERK

Ein stiller See im Morgendunst. Links schiebt sich ein Uferstreifen ins Bild: dunkle Kiefern, davor zwei helle Birkenstämme, im Schilf zwei vertäute Ruderkähne. Nach rechts öffnet sich die weite, spiegelnde Wasserfläche, dahinter steht diesig-blau das Gegenufer. Der Pinselduktus ist locker, sicher und stellenweise pastos; die gedämpfte Skala aus Grün-, Blau- und Grautönen trägt eine feine Licht- und Luftwirkung. Malerisch überdurchschnittlich — eine naturalistisch-pleinairistische Seenstimmung, in der die genaue Naturbeobachtung vor dem Effekt steht.

KÜNSTLER & SCHULE

Das Sujet gehört zum prägenden Landschaftsthema der Berliner Secessionszeit: der märkischen Seenmalerei um 1900 — Grunewald-, Wannsee-, Havel- und Müggelsee-Stimmungen, wie sie Walter Leistikow (1865–1908) zum Bildthema erhob. Seine Ablehnung durch die Akademie-Jury wurde zur Keimzelle der 1898 gegründeten Berliner Secession. Unser Bild steht in dieser Tradition, formuliert sie aber eigenständig: eher naturalistisch-pleinairistisch als flächig-dekorativ in Leistikows Manier. Die Urheberschaft bleibt Arbeitshypothese — „H. Zimmermann“ ist weder lexikalisch noch über Auktionsdatenbanken belegt; der Wert liegt in Qualität, Sujet und Bildträger-Provenienz, nicht in einem Namen.

BEFUND: SIGNATUR & INSCHRIFTEN

Vorne unten links in Rot signiert und datiert „H. Zimmermann 1903“ (Anfangsbuchstabe evtl. auch „K.“). Auf der Keilrahmenleiste in Bleistift „Frau Oberfeldarzt Zimmermann“. Diese Notiz ist als Hypothese zu lesen: nach damaliger Sitte der Verweis auf die Gattin eines höheren Militärarztes — naheliegend, dass die Malerin diese Frau selbst ist (Vorname mit „H.“: Helene, Hedwig, Hermine, Hanna). Hinweis: „Oberfeldarzt“ ist als präziser Dienstgrad erst im 20. Jahrhundert belegt; 1903 hieß die entsprechende Stufe Stabsarzt/Oberstabsarzt — die Notiz wurde umgangssprachlich oder später ergänzt.

BERLINER HERKUNFT DES BILDTRÄGERS

Der Keilrahmen trägt den Stempel „Leopold Hess, Berlin W., Genthiner Straße“ — eine namhafte Berliner Künstlermaterial-Handlung (Adressangabe in den Quellen schwankt zwischen Nr. 25 und 29), deren Stempel auf Werken von Lesser Ury, Max Liebermann und Max Slevogt nachgewiesen ist. Das belegt die Berliner Herkunft des Bildträgers und legt nahe, dass das Bild 1903 im selben Materialumfeld wie die Berliner Secessionisten entstand (kein Künstlername, sondern Lieferantenstempel). Material und Datierung fügen sich damit stimmig in den geschilderten kunsthistorischen Kontext ein.

Provenienz & Zustand

Bildträger belegt Berlin: Keilrahmen-Stempel „Leopold Hess, Berlin W., Genthiner Straße“ (Hausnummer in den Quellen 25/29). Rückseitig Bleistiftnotiz „Frau Oberfeldarzt Zimmermann“ (Deutung als Arbeitshypothese). Zustand gut; Oberfläche und Ränder verschmutzt/verstaubt (Reinigung durch Restaurator empfehlenswert), Leinwand randlich leicht wellig, Spannung lässt nach; derzeit ungerahmt. Maße am Original aufzunehmen.
320 €
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