HANDKOLORIERTE ORIGINAL-RADIERUNG · DATIERT 1943
Alpine St.-Florian-Kapelle vor Felskulisse
Handkolorierte Original-Radierung, in der Platte und eigenhändig im Rand signiert „Merseburger 1943“
Original-Radierung (Feder-/Ätzmanier) über der Strichplatte von Hand koloriert · Papier/Bütten · Maße nachzutragen
Stil · Realismus · 1840–1880
Die Welt, wie sie wirklich ist — Bauern, Arbeiter, Alltag ohne Idealisierung.
DAS WERK
Eine alpine Kapelle steht im Mittelpunkt: quadratischer Glockenturm mit offener Glockenstube und tief überstehendem, spitzem Zeltdach, daran ein niedriges Langhaus mit halbrunder Apsis, weiß verputzt und von einer Bruchsteinmauer umfriedet. Am Turm ein gemaltes Schriftband „St. Florian“ mit Heiligendarstellung. Davor öffnet sich eine Blumenwiese, dahinter steigen schroffe Felsgipfel auf. Die feine Strichätzung ist anschließend von Hand koloriert – ein stimmungsvolles, sorgfältig gearbeitetes Andachts- und Landschaftsbild.
KÜNSTLER & SCHULE
Das Blatt ist zweifach mit „Merseburger 1943“ bezeichnet. Zu einem Grafiker dieses Namens ließ sich in den einschlägigen Künstlerlexika (Thieme-Becker, Vollmer) wie auch in den zugänglichen Auktions- und Grafikdatenbanken kein gesicherter Eintrag ermitteln; eine Web-Gegenrecherche bestätigt diesen Befund. Die Zuschreibung an einen lexikalisch fassbaren Künstler bleibt daher eine Arbeitshypothese. Gattungstypisch lässt sich das Blatt dem Umfeld regionaler Alpen-Druckgrafik der 1930er- bis 1950er-Jahre zuordnen, die häufig abseits der großen Lexika für lokale Sammler und Wallfahrtsorte entstand.
BEFUND: SIGNATUR & INSCHRIFTEN
Maßgeblich ist die doppelte Bezeichnung: in der Platte unten rechts gedruckt „H. Merseburger 1943“, zusätzlich im Blattrand unten rechts eigenhändig in Bleistift „Merseburger 1943“. Im Rand unten links ein eigenhändiger Bleistift-Titel (Kapellen- oder Ortsname), kursiv und schwer lesbar – vorläufige Lesung „Lennegkapelle“(?), nicht gesichert. Die Kombination aus Plattensignatur und eigenhändiger Randsignatur spricht klar für eine Original-Druckgrafik und gegen eine spätere Reproduktion.
KUNSTHISTORISCHE EINORDNUNG
Turmtypus mit welscher, italienisierend wirkender Haube und die halbrunde Apsis weisen eher in den Süd- bzw. Zentralalpenraum (Südtirol, Tirol, Graubünden) als in die Nordalpen; das Patrozinium St. Florian ist im gesamten Alpenraum verbreitet. Eine sichere Verortung der Kapelle steht aus und hängt an der Lesung des Bleistift-Titels. Das handkolorierte Andachtsblatt verbindet Landschafts- und Sakraldarstellung zu einem regionaltypischen Genre, das heute als Zeugnis lokaler Frömmigkeits- und Druckkultur Interesse findet.
Provenienz & Zustand
Zustand: leichte Stockflecken im Rand; Gesamtzustand am Original zu erfassen. Gerahmt in schlichter heller Leiste mit Passepartout. Plattengröße, Blattgröße und etwaige Auflagenangabe sind nachzutragen; Rückseite, Verlag und mögliche Mappenzugehörigkeit (Alpenkapellen-Serie) bleiben zu dokumentieren. Eine genauere Verortung des Motivs wird mit der gesicherten Lesung des Bleistift-Titels angestrebt.
75 €
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