K O D E XSHOWROOM HELMSTEDT · ALTE DRUCKGRAFIK · GUCKKASTENBLATT
Aussicht auf die Elbe von der Schiffer-Börse in Hamburg nach Westen und auf Altona
AUGSBURGER VUE D'OPTIQUE · UM 1770–1780

Aussicht auf die Elbe von der Schiffer-Börse in Hamburg nach Westen und auf Altona

Altkolorierter Kupferstich, Guckkastenblatt aus der „Collection des Prospects", gestochen von Balth. Frédéric Leizel
Kupferstich, zeitgenössisch altkoloriert auf Bütten · Augsburg, um 1770–1780 · bezeichnet „Gravé par Balth. Frédéric Leizel" · Maße am Original aufzunehmen
Stil · Rokoko · 1720–1780
Der heitere, verspielte Spaetbarock — zart, asymmetrisch, pastellfarben; Eleganz statt Pathos.

DAS WERK

Das Guckkastenblatt zeigt den Blick über die Elbe von der Hamburger Schifferbörse nach Westen Richtung Altona. Links schließt eine dichte Häuserzeile am Wasser mit aufragendem Kirchturm an, rechts begleiten Ufergebäude, Vieh und Figurenstaffage die Szene; auf dem Strom drängen sich zahlreiche Segler und Boote. Die betont gesteigerte Tiefenperspektive verrät die Bestimmung des Blattes: Es war für die Betrachtung im Guckkasten (Zograscope) gedacht, dessen Linsen- und Spiegelsystem der Ansicht räumliche Tiefe verlieh. Das zeitgenössische Altkolorit ist kräftig ausgefallen.

STECHER & VERLAG

Balthasar Friedrich Leizelt (tätig um 1750–1800) zählt zu den zentralen Stechern der Augsburger Vue-d'optique-Produktion. Er arbeitete für den Verleger Georg Balthasar Probst und für die Augsburger Akademie der freien Künste, in deren Umfeld die mehrteilige „Collection des Prospects" mit europäischen und überseeischen Ansichten entstand. Die Verlagszeile nennt die „Académie Impériale d'Empire des Arts libéraux" mit kaiserlichem Privileg — die Kaiserlich Franciscische Akademie der freien Künste in Augsburg, deren Blütezeit in die 1770er Jahre fällt. Diese Adresse stützt die Datierung um 1770–1780.

BEFUND: SIGNATUR & INSCHRIFTEN

Oben links steht der Serientitel „Collection des Prospects.", oben mittig spiegelverkehrt — guckkastentypisch — „VUES CHOISIES PRISES DU COTÉ DU NORD DE L'ELBE.". Unter dem Bild rechts findet sich die Stecherzeile „Gravé par Balth. Frédéric Leizel"; darunter die zweisprachige deutsch-französische Bildunterschrift sowie die vollständige Verlagszeile mit Privileg- und Kopierschutz-Vermerk. Diese vollständige Akademie-Adresse mit Serientitel und Stecherangabe weist das Exemplar als originales Augsburger Akademie-Blatt aus — kein beschnittener späterer Nachstich.

KUNSTHISTORISCHE EINORDNUNG

Guckkastenbilder waren ein Massenmedium der Aufklärung: optische Unterhaltung und visuelle Welterkundung zugleich. Augsburg war das europäische Zentrum dieser Produktion, getragen von Verlagen wie Probst und der Akademie. Leizelt schuf für sie Stadt- und Hafenansichten von London über Brest bis New York — oft nach Vorlagen frei adaptiert. Das vorliegende Hamburg-Altona-Blatt gehört zu den begehrten norddeutschen Hafenmotiven der Reihe. Standardreferenz ist Sixt von Kapffs Gesamtkatalog der Augsburger Guckkastenblätter; die genaue Kapff-Nummer ist am gedruckten Katalog nachzutragen.

Provenienz & Zustand

Provenienz nicht dokumentiert; Erwerb durch das Haus Kodex. Zustand: Papier altersgetönt und leicht fleckig, sichtbare Knitter- und Faltspuren; kräftiges Altkolorit. Genauer Erhaltungsbefund sowie Platten- und Blattmaß sind am Original (außerhalb der Verglasung) aufzunehmen.
215 €
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