KODEX ANTIQUORIUM · LUX ROMANA
Römische Bildlampe mit Medusenhaupt
Eine formgepresste Tonlampe der Kaiserzeit, die einst Licht spendete und das Böse abwehrte
Ton, formgepresst · H 3,8 · B 9,8 · ⌀ 5,5 cm · 101 g · Italien, um 150 n. Chr.
🎧 Die Geschichte zu diesem Stück
„Das wachende Licht der Medusa" — aus der Zeit, als Lucius Verus regierte (161–169)
Stil · Antike · 800 v.Chr.–500
Das Fundament der abendlaendischen Kunst — ideale Proportion, Tempel und Goetterstatuen aus Marmor und Bronze.
DAS OBJEKT
Eine kompakte, tropfenförmige Tonlampe von handlicher Größe, die bequem in einer Hand ruht. Den runden Körper mit kurzer, gerundeter Schnauze zieren ein zentrales Einfüllloch und ein umlaufender Perlstabdekor; das breite Vorderteil trägt im Relief ein vollständig erhaltenes Medusenhaupt. Der feine Ton ist unglasiert, von dunkler Patina überzogen und trägt deutliche Gebrauchsspuren. Die seitliche Gussnaht verrät die Fertigung in einer zweiteiligen Model. Kleinere Chips an Schnauze und Rand, keine groben Brüche.
LEBEN & GEBRAUCH
Über Schnauze und Docht warf dieses Stück Licht in einen römischen Alltag, der ohne künstliche Beleuchtung in Dunkelheit versank. Man füllte Olivenöl durch das mittige Loch, legte einen Docht aus Leinen oder Pflanzenfaser in die Tülle und entzündete eine ruhige, warme Flamme. Solche Lampen erhellten Wohnräume, Tavernen, Werkstätten und Tempel; sie begleiteten Mahl, Arbeit und Gebet. Vom einfachen Haushalt bis zum wohlhabenden Bürger nutzte sie jede Schicht. Die Rinne der Schnauze fing herabtropfendes Öl auf - ein praktischer Kniff der Kaiserzeit.
BILD & BEDEUTUNG
Das Antlitz der Medusa war kein bloßer Schmuck. Als Gorgoneion galt das versteinernde Haupt den Römern als mächtiges Schutzzeichen: ein Bild des Schreckens, das den Schrecken vertreibt. Man setzte es an Schwellen wohlhabender Häuser, um Bewohner gegen den bösen Blick und unheilvolle Mächte zu schützen. Auf einer Lampe verband sich diese Abwehrkraft mit dem Licht selbst - der schlafvertreibenden Flamme zur Seite stand ein wachendes Auge, das in der Dunkelheit über das Haus hielt.
ZEIT & KULTUR
Form und Motiv weisen in die römische Kaiserzeit des 2. Jahrhunderts. Der runde Körper mit kurzer Schnauze und reliefiertem Diskus entspricht dem im ganzen Reich verbreiteten Typus Loeschcke VIII, der vom späten 1. bis ins 3. Jahrhundert dominierte; die genaue Einordnung ist am Original zu präzisieren. Werkstätten in Italien und Nordafrika fertigten ihn millionenfach in Modeln. Im KODEX-Bestand ordnet sich das Stück (#208) in den Kulturkreis Römisch ein; Fundstätten vergleichbarer Lampen dienen hier nur als Kontext, nicht als Herkunftsnachweis.
Provenienz & Zustand
Provenienz nicht dokumentiert; legaler Erwerb vorausgesetzt. Im Sinne des Kulturgutschutzgesetzes (KGSG) wird KEIN konkreter Fundort dieses Stücks behauptet - genannte Fundstätten dienen ausschließlich der kunsthistorischen Einordnung. Zustand gut: vollständig erhaltene Medusenmaske (bei diesem Typ selten), altersbedingte Abnutzung an Schnauze und Rand, kleinere Chips und Abplatzungen, keine groben Brüche. Keine Hersteller- oder Werkstattmarke erkennbar.
110 €
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